Marketing-Kommunikation ist ein zentrales strategisches Element für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und damit der gesamten Wirtschaft. Dies zeigt sich auch in diesem Jahr wieder im Bereich von Messeauftritten und Marketing-Events, den Kernbereichen der Direkten Wirtschaftskommunikation.
Rund 10,3 Mrd. Euro gaben deutsche Unternehmen in 2005 für Maßnahmen der Direkten Wirtschaftskommunikation oder anders gesprochen für Messeauftritte und Marketing-Events aus. Dies entspricht rund einem Sechstel der Kommunikationsausgaben in deutschen Unternehmen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie der Deutschen Post AG aus 2006.
Ein Ansteigen der Investitionen in Direkte Wirtschaftskommunikation in 2006 belegen unterschiedliche Erhebungen und eigene Marktbeobachtungen.
Aufschwung für alle
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat sich im Jahr 2006 preisbereinigt um 2,5 % erhöht. Ein höheres Wachstum gab es zuletzt vor sechs Jahren im Boomjahr 2000.
Mit dem Anspringen der Binnenkonjunktur gewann die konjunkturelle Entwicklung 2006 deutlich an Breite, und das sich selbsttragende Moment des Aufschwungs erhöhte sich entscheidend. Dabei wurde die konjunkturelle Entwicklung 2006 durch Sondereffekte wie z. B. die Fußball-Weltmeisterschaft sowie durch wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie etwa die Abschreibungserleichterungen, begünstigt. Für 2007 ist eine leichte Abkühlung der wirtschaftlichen Entwicklung erkennbar, trotzdem deutet der Ifo Geschäftsklima-Index auf eine weiterhin robuste konjunkturelle Entwicklung, die sich zwar für 2008 etwas verlangsamen wird, aber auf eine positive Grundstimmung setzen kann.
Dieses positive Gesamtklima hat sich auch auf die Investitionsbereitschaft in Maßnahmen der Direkten Wirtschaftskommunikation durch deutsche Unternehmen ausgewirkt.
So belegen das EventKlima 2007 genauso wie der AUMA-Messetrend und die Poststudie „Direkt Marketing Monitor 2007“: Unternehmen nutzen die Kommunikationsmaßnahmen Messeauftritt und Marketing-Event für einen nachhaltigen Erfolg bei ihren Zielgruppen.
Insgesamt repräsentiert der FAMAB ein Umsatzvolumen von rund 2,5 Mrd. Euro, dies entspricht ca. der Hälfte der Ausgaben von Auftraggebern an Messebau-Unternehmen, Marketing-Eventagenturen und Messearchitekten / -designern.
Messeauftritte in der Direkten Wirtschaftskommunikation vorn
Schätzungen des AUMA und eigenen Erhebungen zufolge fließen rund 70 bis 75 % der Ausgaben von Unternehmen für Direkte Wirtschaftskommunikation in Messen und ca. 25 bis 30 % in Marketing-Events. Ausreißer aus diesem Trend ist der Handel: Nur wenige Handelsunternehmen waren im großen Stil auf Messen präsent, vielmehr investierte diese Gruppe insbesondere in Promotion-Events.
Steigende Investitionen in Messen bei leicht sinkenden Nutzerzahlen
351.000 Unternehmen haben 2006 in Messen investiert, dies entspricht 28 % aller Unternehmen. Dabei wurden 12,4 Mrd. Euro ausgegeben. Messen bleiben damit nach der klassischen Werbung das bei weitem investitionsstärkste Medium. Die Aufwendungen stiegen um 2,1 Mrd. Euro an. Dabei erhöhten sich die Durchschnittsaufwendungen pro Unternehmen auf 35.400 Euro (+ 8.100 Euro) so die Ergebnisse des Direkt Marketing Monitor 2007.Dienstleister haben 2006 höhere Gesamtaufwendungen für Messen als das verarbeitende Gewerbe
Dienstleister investierten 2006 mit 5,2 Mrd. Euro deutlich mehr in Messen als noch im Jahr zuvor (+ 1,8 Mrd. Euro).
Sie überrunden damit das verarbeitende Gewerbe, das seine Aufwendungen für Messen lediglich von 4 Mrd. auf 4,2 Mrd. Euro steigerte.
Wirtschaftliche Situation im Messebau
Bezogen auf den Umsatz brachte das Jahr 2006 die erwartete Erholung im Messebau. Auch die Perspektive für 2007 und 2008 ist optimistisch, gerechnet wird mit solidem Wachstum. Dieses Ergebnis brachte die Befragung der Mitglieder des Forums Messe und Ausstellung (FMA) im FAMAB im September 2007.
Erstmals seit 2001 sind in 2006 alle Parameter der Messewirtschaft positiv: Es stiegen Aussteller- und Besucherzahlen (Inland wie Ausland) sowie vermietete Quadratmeter im Vergleich zu den jeweiligen Vorveranstaltungen an. Der positive Trend setzte sich im ersten Halbjahr 2007 fort. So erwartet der AUMA für das Gesamtjahr 2007 eine Zunahme um gut 2 % bei allen Parametern.
Die Zeichen der Erholung lassen die FMA-Mitglieder entspannter in die Zukunft blicken: Die Situation der Branche sehen sie als gut (2,3), ähnlich wie im eigenen Unternehmen, dem sie auch eine Zwei (2,2) geben. Die Perspektive für 2008 bleibt auf ähnlichem Niveau, Branche und eigenes Unternehmen werden mit einem „Gut“ bewertet.
Auswirkungen auf die Anzahl der Mitarbeiter zeichnen sich durch den Aufschwung ebenfalls ab. War von 2004 bis 2005 die Anzahl der Beschäftigten fast konstant, stieg sie in 2006 mitgliederzahlbereinigt um 8,2 % auf 8.686 Mitarbeiter. Um 13 % wuchs die Anzahl der freien Mitarbeiter von 4.943 in 2005 auf 5.453
in 2006. Die Mitglieder des FMA setzen auch im Aufschwung auf schlanke, flexible Strukturen.
Umsatzsteigerung
Betrachtet man den Umsatz der FMA-Mitglieder, so ist dieser von 1,712 Mrd. Euro in 2005 auf 1,828 Mrd. Euro in 2006 gewachsen, für 2007 werden vorsichtig geschätzt 1,946 Mrd. Euro erwartet. (s. Grafik). Hintergrund für die Umsatzsteigerung von rund 9 % (mitgliederzahlbereinigt) in 2006 sind die gestiegenen Rohstoffkosten und der Nachholbedarf von Ausstellerinvestitionen in neue Messekonzepte. Hierzu nutzen die Auftraggeber insbesondere das Know-how der FMA-Mitglieder. Hinzu kommt das hohe Präsentationsniveau auf deutschen Messen, was nicht zuletzt dazu führte, dass rund 40% der Kommunikationsbudgets deutscher Aussteller in dieses Medium flossen.
Die Anzahl der von Verbandsmitgliedern realisierten Messestände stieg in dem Zeitraum von 53.907 in 2005 auf 55.797 in 2006. Für 2007 wird eine Steigerung auf 56.500 realisierte Projekte erwartet. Insgesamt umfassten die Präsentationen 5,45 Mio. m2 in 2005 sowie 5,64 Mio. m2 in 2006. Für 2007 rechnet man mit rund 5,8 Mio. m2. Hinzu kommen jedes Jahr knapp eine Mio. m2, die außerhalb von Messegeländen, beispielsweise bei Roadshows oder Hausmessen, durch FMA-Mitglieder realisiert werden. Dies zeigt eine fortschreitende Diversifizierung bei Messebau-Betrieben, fast ein Sechstel ihrer Dienstleistungen erbringen die Unternehmen inzwischen außerhalb von Messegeländen.
Immer mehr Einmalgeschäft
Eine negative Tendenz der letzten Jahre hat sich auch in 2006 fortgesetzt: Immer weniger Umsatz wird mit Stammkunden oder auf der Basis von Mehrjahresverträgen getätigt. Waren 2004 noch fast zwei Drittel der Umsätze eines Messebau-Unternehmens mit Stammkunden erwirtschaftet worden, so waren es 2005 nur noch ein Drittel und in 2006 nur noch ein Viertel. Ähnlich deutlich ist die mehrjährige Auftragsvergabe zurückgegangen: Von fast einem Viertel in 2004 auf spärliche 10 % in 2005 und 2006. Eine Situation, die sich aufgrund fehlender Sicherheit negativ auf die Auftragsplanung auswirkt und zu erhöhten Fertigungskosten führt.
Marketing-Event-Branche bestätigt das erwartete Wachstum
Der erwartete Boom der Event-Branche in 2006 hat sich bestätigt und strahlt weit nach 2007. So stieg der Umsatz (Billings) der FME-Mitglieder von 405,1 Mio. Euro in 2005 auf 514,5 Mio. Euro in 2006, dies entspricht einem Wachstum von 27 %.
Für 2007 wird ein Anwachsen auf 566 Mio. Euro erwartet. Eine ähnliche Entwicklung nahm der Honorarumsatz (Gross Income). Er stieg von 119,8 Mio. Euro in 2005 auf 136,6 Mio. Euro in 2006. Dabei sank der Anteil des Honorarumsatzes von 29,6 % in 2005 auf 26,6 % in 2006. Eine Fortsetzung der Entwicklung wird für 2007 erwartet; man geht davon aus, dass der Anteil des Honorarumsatzes am Gesamtumsatz bei 26 % liegen wird. Für die Agenturen hat diese Entwicklung zur Folge, dass trotz steigender Umsätze ihr Kerngeschäft, die Entwicklung von Live-Kommunikationsmaßnahmen, anteilsmäßig sinkt.
Positiv zeigt sich neben dem Umsatz auch die Personalentwicklung: Um 22 % auf 1.555 stieg die Anzahl der fest angestellten Mitarbeiter von 2005 auf 2006 in den FME-Agenturen. Noch extremer zeigt sich die Situation bei freien Mitarbeitern und Aushilfen: Hier ist ein Wachstum um 81% auf 657 in 2006 zu verzeichnen. Hintergrund hierfür ist natürlich der erhöhte, teilweise kurzfristige Personalbedarf anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft.
Anzahl der Veranstaltungen
Die Anzahl der in 2006 durchgeführten Projekte betrug 4.491 und stieg damit insgesamt um 141 im Vergleich zum Vorjahr. Interessant ist die Veränderung bei den Veranstaltungsorten: Einem Zuwachs von 396 Projekten in Deutschland steht ein Rückgang von 255 Veranstaltungen im Ausland gegenüber. Auch hier ist eine klare Auswirkung der Fußball-WM erkennbar.
Eventarten
Betrachtet man die Aufteilung des Umsatzes nach Eventarten, so machen Corporate-Events mit einem Anteil von 54 % weiterhin das Gros des Umsatzes bei Eventagenturen aus. An zweiter Stelle stehen Public-Events mit knapp 20 %, gefolgt von Mitarbeiter-Events / Incentives mit rund 9 %. Etwas abgeschlagen rangieren Exhibition-Events (4 %), 13 % entfallen auf sonstige Events (7,9 %).
Wirtschaftliche Entwicklung
Positiv sehen die Mitglieder des FME die wirtschaftliche Situation ihrer Betriebe. So benoten sie auf einer Schulnotenskala ihr eigenes Geschäft in 2007 mit 2,8 für 2006 und für 2007 erwarten sie eine 2,4. Die Branche betrachten sie entspannter: eine 2,3 in 2007, eine 2,4 in 2008.
Ausblick für die Direkte Wirtschaftskommunikation
Der Ende 2005 eingeläutete Stimmungswandel im deutschen Kommunikationsmarkt hält weiterhin an. Zwar haben Mehrwertsteuererhöhung und Turbulenzen im Finanzmarkt zu einer leichten Abkühlung im Vergleich zu 2006 geführt, aber die Grundtendenz bleibt weiterhin optimistisch. Dies liegt nicht zuletzt an dem wachsenden Vertrauen, das Auftraggeber in die Direkte Wirtschaftskommunikation haben. Messebudgets steigen und Marketing-Events haben in 2006 kein Strohfeuer erlebt. Im Gegenteil: Für 2007 wird ein erneuter Umsatzzuwachs von immerhin 4 % auf den Vorjahreswert erwartet.